In Nordrhein-Westfalen kommen ca. 40.000 verschiedene Pflanzen-, Pilz- und Tierarten in unterschiedlichsten Lebensräumen vor. Änderungen in den klimatischen Verhältnissen können dazu führen, dass sich Entwicklungs- und Verbreitungsmuster bestimmter Arten wandeln. Die Daten des LANUV geben Hinweise, wie sich die die Folgen des Klimawandels für Flora und Fauna bereits jetzt bemerkbar machen und welche Handlungsansätze sich daraus ableiten lassen.

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Darum geht's

Gut zu wissen

Welche Klimafolgen betreffen die biologische Vielfalt vor Ort?

  • Verschiebung von Lebensräumen von Tieren und Pflanzen
  • Abwanderung kälteliebender Arten in höhere Breiten oder Höhenlagen
  • Einwanderung und Ausbreitung wärmeliebender Arten (meist von Süden her)
  • Verlängerung der Vegetationsperiode aufgrund höherer Lufttemperatur
  • bei Hitze Austrocknen von Wasserflächen, Feuchtgebieten und Böden
  • Erhöhte Evapotranspiration (Verdunstung)

Vegetationsperioden

Kürzere Winter sorgen für längere Vegetationsphasen

Die Beobachtung der phänologischen Vegetationsperiode zeigt beispielhaft, wie Pflanzen und damit die Ökosysteme auf die veränderten Umweltbedingungen reagieren. Die Länge der Vegetationsperiode hat zwischen 1951 und 2019 im Mittel um zehn Tage zugenommen. Betrug sie im Zeitraum 1951 bis 1980 noch 207 Tage, lag das Mittel 1990 bis 2019 bereits bei 217 Tagen. Mit 234 Tagen dauerte die Vegetationsperiode 2019 ungewöhnlich lang.

Betrachtet man die einzelnen Jahreszeiten genauer, fällt auf, dass sich insbesondere der Winter deutlich verkürzt hat. Gab es 1951 bis 1980 noch 115 phänologische Wintertage, waren es 1990-2019 nur noch 93. Hingegen dauern der Frühling und insbesondere der Herbstlänger an, während der Sommer annähernd konstant geblieben ist.

Im Vergleich zu 1951-1980 beginnt der Frühling nun deutlich eher, im Mittel um 17 Tage. Dies trifft auch auch den Herbst (14 Tage) und den Sommer (12 Tage) zu, während der Winter gleichzeitig etwas später beginnt (4 Tage). 2019 zeichnet sich durch einen besonders späten Winteranfang aus.

Phänologische Jahreszeiten und Klimafolgen

Das Eintrittsdatum bestimmter Phasen in der Pflanzenentwicklung (=Phänologie) wird maßgeblich von der Temperatur beeinflusst. Aus langjährigen Beobachtungen kann damit der Einfluss veränderter klimatischer Bedingungen auf die Entwicklung von Pflanzen und Ökosystemen ermittelt werden. Anders als direkte Temperaturmessungen spiegelt die Phänologie aber eine Reaktion der Natur auf ihre Umwelt wider. Daher ist sie ein wichtiger und besonders sensitiver Bioindikator für den Klimawandel.

Indikator Vegetationsperiode

Die Dauer der Vegetationsperiode wird durch die Zeitspanne zwischen dem (relativ frühen) Blühbeginn der Salweide und der Blattverfärbung der Stieleiche als phänologischer Zeiger für den Eintritt des Spätherbstes definiert. Als Indikator wird die Länge der Vegetationsperiode (Kalendertag Blattverfärbung Stieleiche minus Kalendertag Blühbeginn Salweide) als Gebietsmittel für NRW verwendet.

Indikator Phänologische Jahreszeiten

Der Beginn der phänologischen Jahreszeiten wird durch den Eintritt bestimmter Phasen in der Pflanzenentwicklung begrenzt. Diese phänologischen Zeiger sind für den Frühlingsbeginn der Blühbeginn der Hasel, für den Sommerbeginn der Blühbeginn des Schwarzen Holunders, für den Herbstbeginn die beginnende Fruchtreife beim Schwarzen Holunder und für den Beginn des Winters der Blattfall der Stieleiche.

Klimasensitive Vogelarten

Wärmeliebende Vogelarten breiten sich in NRW aus

Die untersuchten Zeitreihen zeigen als Ergebnis der Ökologischen Flächenstichprobe, dass sich die wärmeliebenden Arten im Mittel in NRW ausbreiten, während die eher kälteliebenden Arten zurückgehen. Zu den von steigenden Mitteltemperaturen profitierenden Vogelarten zählen viele Standvögel, also Vögel, deren Brut- und Überwinterungsgebiet örtlich zusammen fallen.

Ein Grund für deren positive Bestandsentwicklung ist das vermehrte Ausbleiben strenger Winter, in denen üblicherweise die größten Verluste heimischer Arten zu verzeichnen sind. Für einige Spätbrüter wie z.B. die Mehlschwalbe führen möglicherweise wärmere, trockenere und länger andauernde Sommer zu höherem Bruterfolg und damit zu positiven Brutbestandsentwicklungen.

Vogelarten und Klimafolgen

Durch ansteigende Temperaturen und Niederschläge ändern sich nicht nur die Lebensbedingungen von Vögeln, sondern auch ihre Lebensräume und Artengefüge. Vögel können darauf reagieren, indem sie ihren Jahreszyklus anpassen (z.B. früherer Brutbeginn) oder bei sehr starken Veränderungen neue Regionen besiedeln. Nach derzeitigem Kenntnisstand hat der Klimawandel auf die Verbreitung und Populationsgrößen der Brutvogelarten in NRW einen unterschiedlich großen Einfluss. Bei vielen Arten wird dieser Einfluss sehr stark durch die Art und Intensität der Landnutzung überlagert. Beide Faktoren sind nur schwer voneinander zu trennen, was die Analyse der Effekte von Klimaveränderungen auf die Biodiversität zu einer anspruchsvollen Aufgabe macht.

Indikator Klimasensitive Vogelarten

Der Indikator bildet Verschiebungen in Artengemeinschaften durch Änderungen der Temperatur ab. Als Datengrundlage dienen die landesweit repräsentativen Brutvogeldaten aus der Ökologischen Flächenstichprobe (ÖFS), das Basisjahr ist 2006. Dabei werden Arten, die relativ hohe durchschnittliche Temperaturwerte (über 13 °C) von Arealen bevorzugen, in einer Gruppe zusammengefasst (u.a. Grünspecht, Pirol und Steinkauz). Eine weitere Gruppe wird gebildet, die eher in Arealen mit kühleren Bedingungen vorkommen (unter 11 °C) (u.a. Wintergoldhähnchen, Tannenhäher oder Weidenmeise). Daneben wird eine Gruppe mit neutralen Arten identifiziert (u.a. Kohlmeise, Buchfink, Amsel und Mönchsgrasmücke). Die Bestandsentwicklung wird anhand der Häufigkeit des Vorkommens (Abundanz) jährlich berechnet und im Vergleich zum Basisjahr 2006 dargestellt.

Weitere Informationen

Datenquellen

Handlungsansätze + Maßnahmen

Wie der Naturschutz mit Klimafolgen umgehen kann

Die Auswirkungen des Klimawandels begründen Maßnahmen für zahlreiche Arten und Lebensräume, u.a.:

  • Verringerung vorhandener Stressfaktoren für Arten und Lebensräume
  • Aufbau eines Biotopverbundes (an Land und in Flüssen)
  • Erhalt und Schutz insbesondere von Feuchtlebensräumen
  • Renatierung von Gewässern
  • Anpassung der Schutzziele von Naturschutzstrategien

Biologische Vielfalt

Was im Kreis Recklinghausen bereits umgesetzt wird

Umweltschutz im Kreis Recklinghausen geht weit über die Einsparung von CO2-Emissionen hinaus. Mit Projekten zur Biodiversität zum Beispiel. Sie haben das Ziel, der Natur mehr Raum zu geben und die Artenvielfalt zu stärken. Bereits heute ist der Kreis Recklinghausen der alleenreichste Kreis Nordrhein-Westfalens. Und es gibt viele weitere Maßnahmen, die die Region noch mehr blühen, summen und wuseln lassen.