Der Mensch trägt durch die Freisetzung klimaschädlicher Treibhausgase (THG) entscheidend zum Klimawandel bei – auch im Kreis Recklinghausen. Die Treibhausgasbilanz des Kreises Recklinghausen stellt für die Kreisverwaltung und die kreisangehörigen Kommunen ein wichtiges Hilfsmittel für die Entscheidungsfindung dar, um Klimaschutzaktivitäten zu konzeptionieren und ihre Umsetzung in Form eines Monitorings zu überprüfen. Unter Federführung des RVR werden die dazu benötigten Daten erhoben und ausgewertet.

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Darum geht's

Gut zu wissen

Was sind Treibhausgase?

Treibhausgase (THG) haben einen schlechten Ruf, dabei sind sie lebensnotwendig für das Ökosystem Erde. Sie bilden eine Schutzschicht um unseren Planeten, die einen weltweiten Dauerzustand lebensfeindlicher Eiseskälte verhindert. Das Problem ist jedoch, dass der Mensch diesen natürlichen Treibhauseffekt seit Beginn der Industrialisierung mit großen Mengen zusätzlicher Treibhausgase beeinflusst. Einen wesentlichen Anteil daran hat das Gas Kohlendioxid (CO2), welches bei der klassischen Energiegewinnung (Verbrennungsprozessen) entsteht. Die Erhöhung der Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre bewirkt den menschengemachten Klimawandel.

  • Kohlendioxid (CO): Es entsteht bei jeder Verbrennung, egal ob Holz, Kohle, Gas, Benzin, Heizöl oder Dieselkraftstoff verbrannt wird.
  • Methan (CH): Dieses Gas entsteht sowohl bei der industriellen Produktion und dem Autoverkehr als auch in der Landwirtschaft (Viehhaltung, Reisfelder). Es ist 21-mal stärker treibhauswirksam als CO2.
  • Distickstoffoxid (NO): Das sogenannte Lachgas entsteht durch zu starker Düngung in der Landwirtschaft und ca. 300-mal treibhauswirksamer als CO2.
  • Fluorkohlenwasserstoffe (FCKW): Ein künstlich hergestelltes Treibhausgas, oft als Kältemittel verwendet, welches bekannt für die Zerstörung der Ozonschicht ist. Mittlerweile in vielen Anwendungsbereichen verboten.

Treibhausgasbilanz

CO2-Ausstoß im Kreis Recklinghausen

Die aus dem Energieverbrauch des Kreises Recklinghausen resultierenden Emissionen in 2017 summieren sich auf insgesamt 7.139.608 Tonnen CO2-Äquivalente (CO2e). Mit 38 Prozent entfällt der größte Anteil auf die Großindustrie. Relativ gleichauf folgen Wirtschaft (22 %) sowie Haushalte und Verkehr (je 20%). Die kreiseigenen Einrichtungen stoßen deutlich weniger als 1 Prozent der THG-Emissionen aus. Der Durchschnittswert pro Einwohner liegt bei etwa 11,6 t CO2e im Jahr. Ohne die Großindustrie liegt der Wert bei ca. 7,2 Tonnen CO2e im Jahr. Damit bewegt sich der Kreis Recklinghausen über bzw. unter dem Bundesschnitt von 11,4 Tonnen.

Energiebilanz

Endenergieverbrauch im Kreis Recklinghausen

Der Endenergieverbrauch des Kreises Recklinghausen lag 2017 bei insgesamt 21.589.680 Megawattstunden (MWh). Die Endenergie beschreibt dabei die Energie, die in Form von Brenn- und Kraftstoffen sowie elektrischer Energie beim Endverbraucher ankommt. Die weitere Aufschlüsselung des Endenergieverbrauchs zeigt, dass die Großindustrie mit 40 Prozent den größten Anteil ausmacht. Private Haushalte folgen mit 22 Prozent und der Sektor Verkehr mit 20 Prozent. Die Wirtschaft (Industrie und Gewerbe / Handel / Dienstleistungen) kommt auf 18 Prozent, während die Kreisverwaltung bei unter 1 Prozent liegt.

Methodik

Wie die THG-Emissionen im Kreis Recklinghausen bilanziert werden

Zur Bilanzierung wurde die internetbasierte Plattform „Klimaschutzplaner“ verwendet, die speziell zur Anwendung in Kommunen entwickelt wurde. Mit dieser Plattform können Energieverbräuche und THG-Emissionen auf kommunaler Ebene bilanziert werden. Über die standardisierte BISKO-Methodik (Bilanzierungs-Standard Kommunal) wird dabei eine einheitliche Berechnung garantiert, so dass die Ergebnisse vergleichbar werden. Ein interkommunaler Vergleich ist häufig jedoch nicht zielführend, da regionale und strukturelle Unterschiede sehr hohen Einfluss auf die Energieverbräuche und THG-Emissionen von Kreisen und Kommunen haben. Für die Darstellung der Entwicklung eines Kreises oder einer Kommune ist diese Methodik hingegen genau die richtige.

Berücksichtigung der Großindustrie

Unter Großindustrie fallen meist jene großen Wirtschafts- oder Industriebetriebe, die emissionshandelspflichtig sind, sog. EU ETS-Anlagen. Im Kreis Recklinghausen betrifft dies vor allem Unternehmen der Metall- und Chemieindustrie, deren Emissionen und damit auch die Endenergieverbräuche bereits über den europäischen Zertifikatehandel abgedeckt werden. Da der Einfluss der Kommune auf diese Betriebe als sehr gering eingeschätzt wird, werden diese Betriebe normalerweise nicht mitbilanziert. Der neue Bilanzierungsstandard Kommunal (BISKO) schreibt jedoch vor, alle Energieverbräuche auf dem Territorium - also im Kreisgebiet - zu bilanzieren. Somit wird die Großindustrie als separater Sektor mitbilanziert und ihr Endenergieverbrauch sowie die THG-Emissionen gesondert aufgeführt.

Bilanzierungsprinzip im Sektor Verkehr

Zur Bilanzierung des Sektors Verkehr findet ebenfalls das Prinzip der endenergiebasierten Territorialbilanz Anwendung. Diese umfasst sämtliche motorisierten Verkehrsmittel im Personen- und Güterverkehr. Generell kann der Verkehr in die Bereiche gut kommunal beeinflussbar und kaum kommunal beeinflussbar unterteilt werden. Als gut kommunal beeinflussbar werden Binnen-, Quell- und Zielverkehr im Straßenverkehr (MIV, LKW, LNF) sowie der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) eingestuft. Emissionen aus dem Straßendurchgangsverkehr, dem öffentlichen Personenfernverkehr (ÖPFV, Bahn, Reisebus, Flug) sowie dem Schienen- und Binnenschiffsgüterverkehr werden als kaum kommunal beeinflussbar eingestuft und herausgerechnet.

Weitere Informationen

Datenquelle

  • Kreis Recklinghausen / Regionalverband Ruhr, eigene Berechnungen, Stand: August 2021

Ansprechpartner

Torben Stasch

Klimaschutzmanagement
Kreis Recklinghausen
Tel.: 02361 53 4337

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