Das Klima unterliegt natürlichen Schwankungen. Doch wer die Messungen über einen längeren Zeitraum betrachtet, stellt fest: Der Wert, um den die Gradzahlen schwanken, verschiebt sich. Immer häufiger werden in Deutschland besonders hohe Temperaturen gemessen, und sie steigen weiter. Als Ursache wird der menschengemachte Klimawandel angesehen, der durch die Emission klimaschädlicher Treibhausgase zu einer Erwärmung der Atmosphäre führt. Messreihen des LANUV belegen diese Entwicklung auch für den Kreis Recklinghausen und sagen einen weiteren Temperaturanstieg voraus. Der globale Klimawandel wirkt sich lokal aus.

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Jahresmitteltemperatur in NRW

Starker Erwärmungstrend seit den 1980er Jahren

Die mittlere Jahrestemperatur in Nordrhein-Westfalen beträgt aktuell 10 °C (Referenzperiode 1992-2021). Anfang des 20. Jahrhunderts (1881-1910) lag die mittlere Jahrestemperatur noch bei 8,4 °C. Dies bedeutet einen Anstieg seit Beginn der Messungen um 1,6 °C. Bei Betrachtung der langen Zeitreihe ab 1881 können einzelne Abschnitte unterschieden werden: Bis zu den 1950er Jahren fand in NRW eine leichte Erwärmung statt. Nach einer Phase relativ stabiler Jahresmitteltemperaturen oder sogar leicht abfallender Werte folgte ab den 1980er Jahren bis heute ein vergleichsweise starker Erwärmungstrend. Der Temperaturanstieg hat sich somit in den letzten 40 bis 50 Jahren beschleunigt. 

Die prognostizierte Temperaturentwicklung zeigt für den Kreis Recklinghausen (Großlandschaft Westfälische Bucht) ein einheitliches Bild: eine Temperaturzunahme. Zur Mitte des Jahrhunderts (2031-2060) zeigen alle Szenarien einen ähnlichen Wertebereich: Es wird ein Anstieg der Lufttemperatur zwischen 0,7 und 2,1 °C gegenüber der Referenzperiode 1971-2000 vorhergesagt.

Bis zum Ende des Jahrhunderts (2071-2100) unterscheiden sich die Szenarien und zeigen somit die Wirkung der unterschiedlichen CO2-Konzentrationen bzw. des Emissionsverhaltens und Anwendens von Klimaschutzmaßnahmen auf. Der Temperaturanstieg liegt je nach Szenario zwischen 0,8 und 4,3 °C gegenüber 1971-2000. Im moderaten Szenario (RCP4.5) wird ein Temperaturanstieg von 1,3 bis 2,7 °C bis zum Jahr 2100 erwartet, während sich im Klimaschutz-Szenario die globalen Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgase bereits bemerkbar machen und der Temperaturanstieg geringer ausfällt. Beim Weiter-wie-bisher-Szenario hätte der stark ansteigende globale Energieverbrauch vor allem fossiler Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts eine starke Temperaturzunahme zur Folge.

In allen Szenarien wird die stärkste Temperaturzunahme für den Herbst projiziert, die geringste im Frühjahr. Somit wird sich die bereits beobachtete Entwicklung einer stärkeren Zunahme der Temperatur im Winter fortsetzen und zusätzlich in den Herbst verlagern.

Temperatur und Klimafolgen

Die Temperatur ist die Leitgröße zur Beschreibung der vom Menschen beeinflussten Klimaveränderung. Sie wird direkt durch den anthropogen bedingten Anstieg der Treibhausgasgehalte in unserer Atmosphäre beeinflusst.

Indikator Jahresmitteltemperatur

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) kann für Nordrhein-Westfalen auf Messreihen seit 1881 zurückgreifen. So ist es möglich, die Temperaturentwicklung seit 140 Jahren abzubilden. Um vergleichbare Daten zu erhalten, wird auf sogenannte Klimanormalperioden (KNP) zurückgegriffen. Sie dauern jeweils 30 Jahre und über die Berechnung eines Mittelwerts können statistische Ausreißer beseitigt werden. Laut LANUV sind die Zeitreihen statistisch hochsignifikant.

Warming Stripes

Besonders warme Jahre im Kreis Recklinghausen häufen sich

Im Kreis Recklinghausen wird es wärmer. Das zeigen Messdaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 bis 2023. Besonders anschaulich machen diese Entwicklung die Wärmestreifen (Warming Stripes) vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW. Für jedes Jahr seit 1881 zeigen die Farben an, ob es kälter oder wärmer war als der Referenzzeitraum 1961-1990, in dem die Temperaturen im langjährigen Durchschnitt lagen. Kältere Jahre werden in Blau und wärmere Jahre in Rot dargestellt. Es wird deutlich: Besonders warme Jahre gab es im Kreis Recklinghausen in letzter Zeit immer häufiger.

Warming Stripes für den Kreis Recklinghausen 1881-2023

Entwicklung der Niederschlagsmenge

Im Winter mehr Regen, im Sommer drohen Dürren

Aktuell werden in Nordrhein-Westfalen jährlich im Mittel 873 mm Niederschlag gemessen (Referenzperiode 1992-2021). Dies ist im Vergleich zu den Werten zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine leichte Abnahme der Niederschlagsmengen. Insbesondere zwischen 1981 und 2010 gab einige regenreiche Jahre. Demgegenüber fiel in den vergleichsweise heißen und trockenen Jahren 2018 (618 mm), 2019 (815 mm) und 2020 (741 mm) unterdurchschnittlich wenig Niederschlag

Betrachtet man den Niederschlag im Jahresverlauf, zeigt sich dass Winter und Sommer die niederschlagsreichsten Jahreszeiten sind. Insbesondere die Niederschläge im Winter haben seit 1881 deutlich zugenommen, während der Sommer auf einem ähnlich hohen Niveau blieb. Die jahreszeitliche Verschiebung der Niederschläge in Nordrhein-Westfalen kann eine Folge des Klimawandels sein.

Die betrachteten Klimaszenarien gehen im Mittel von einer weiteren leichten Zunahme der jährlichen Niederschlagssumme in der Zukunft aus. Allerdings verschieben sich die Regenmengen im Jahresverlauf. Während im Winter ein weiterer Anstieg der Niederschlagsmengen erwartet wird, wird für den Sommer eine Abnahme des Niederschlags um ca. 12-14% prognostiziert. Hier könnten die letzten trockenen Sommer 2017-2019 einen Eindruck für zukünftige Verhältnisse liefern.

Niederschlag und Klimafolgen

Die Veränderung des Niederschlags kann direkte und indirekte Folge der Klimaerwärmung sein. Die Temperaturzunahme wirkt sich unter anderem unmittelbar auf den Wasserdampfgehalt der Luft und mittelbar auf die Zirkulationssysteme der Erde aus. So kann warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte Luft. In der Folge können sich Niederschlagsmuster regional ändern. Der Nachweis dieser klimabedingten Veränderungen ist allerdings sehr schwierig. Anthropogene Nutzungen und Beeinträchtigungen wirken bereits regional unterschiedlich auf den Wasserhaushalt ein. Sie überlagern sich mit Klimafolgen. Die Ursache-Wirkungsbeziehungen können deshalb sehr komplex sein.

Indikator Niederschlag

Als Indikator wird das NRW-Gebietsmittel für die Jahresniederschlagssumme (Kalenderjahr) verwendet. Sie beruhen auf Messungen des Deutschen Wetterdienstes.

Precipitation Stripes

Besonders trockene Jahre im Kreis Recklinghausen häufen sich

Ähnlich wie die Wärmestreifen die Temperturmittelwerte der Jahre 1881-2021 visualisieren, stellen die Niederschlagsstreifen (Precipitation Stripes) nach der gleichen Darstellungsweise die jährlichen Niederschlagssummen zwischen 1881-2021 dar. 

Man kann deutlich sehen, dass die Jahresniederschläge im Kreis Recklinghausen deutlich variabler ausfallen als die jährlichen Temperaturmittelwerte. Nachdem es zu Beginn der Wetteraufzeichnung eher trockene Jahre gab, passend zu den kühleren Jahresmitteltemperaturen, gab es immer wieder lange Phasen mit deutlich niederschlagsreicheren Jahren. Deutlich erkennbar ist die seit den letzten fast zehn Jahren andauernde relative Trockenheit, die einer eher feuchten Episode ab den 1980'er und 1990'er Jahren, die bis in die 00'er Jahre anhielt, nachfolgt und immer noch anzuhalten scheint.

Precipitation Stripes für den Kreis Recklinghausen 1881-2021

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